Stecken wir uns die persönliche Wichtigkeit an den Hut

[134] OÖN 19. Dezember 2013

Wir wünschen uns keine Geschenke, die für Geld zu bekommen sind, und dennoch etwas Teures: ein paar Zusatzportionen Bescheidenheit, Idealismus und Qualität. Damit sind kleine Umwälzungen zu bewirken, die unserer Volkskulturwelt nicht schaden könnten.
Liebes Christkind, wirke bitte ein paar Wunder! Hilf mit, dass wir bald über solch gesunde Veränderungen berichten können: Redner, die sich auf Texte ihrer Ghostwriter verlassen, können auf einmal fließend lesen.
Alle Chöre singen altbekannte Lieder auswendig, verzichten auf Text- und Notenblätter.
Fernsehen, Radio und Zeitungen bezeichnen dümmliche Schlager nicht mehr als Volksmusik.
In Zeitschriften ist Stil wieder so wichtig wie Informationsgehalt. Eleganz des Ausdrucks statt Diktat des Zeitdrucks. Manche Schreiber entziehen sich sogar den Tücken der automatischen Rechtschreibprüfung.
In vielen Reden ausgedrückte Wertschätzung für die Volkskultur bleibt kein Lippenbekenntnis. Vertreter des öffentlichen Lebens besuchen Veranstaltungen nicht nur, wenn sie der Chef hingeschickt hat.
Altgediente Vereinsfunktionäre stecken sich ihre persönliche Wichtigkeit an den Hut – neben den Ehrenzeichen wird schon noch Platz sein – und lassen die Jungen tun, was diese besser können.
Niemand verharrt in seiner Position, damit er bei „Events“ begrüßt wird und seiner Visitenkarte keine Zeile abhanden kommt. Eitelkeit ist out – pardon: passé, englische Wörter werden ja abgelehnt.
Wer besondere Fähigkeiten mitbringt, tritt selbstbewusst vor und übernimmt eine Funktion im Verein. Engagement ist gefragt.
Die Volkskultur bleibt ein ambitionierter Amateurbetrieb, Aus- und Weiterbildung lassen sie aber immer professioneller werden.
Und wer selbst nicht bereit ist, alljährlich unzählige Stunden ehrenamtlich zu arbeiten, stellt im neuen Jahr das Kritisieren ein.
Liebes Christkind, du musst mir eh nicht alle Wünsche erfüllen. Aber schön wär’s schon.