Tag der Hausmusik zu Ehren der Musikanten-Patronin Cäcilia

[81] OÖN 22. November 2012

Acht junge Männer schultern ihre Rechen und rücken damit aus, allerdings nicht zur Feldarbeit, sondern zum Haus des Dorfkapellmeisters. Dort stellen sie sich im Halbkreis auf und – musizieren! Mit kurzen Holzstäben schlagen sie rhythmisch auf die Rechenstiele, erst bedächtig („tempo à la Kuhmarsch“, stimmt der Taktgeber ein), dann flotter und lauter („schnellando krawallissimo“), bis sich das Holzschlägerkonzert im Polkarhythmus überschlägt („grando riskanto“). Wir sind Zeugen eines jener musikalischen Bräuche, wie sie die gegenseitige Beeinflussung österreichischer und südböhmischer Volksmusik hervorgebracht hat. Mit dem „Rechenständchen“ dankt die Dorfjugend ihrem Kapellmeister für seinen Einsatz während des ganzen Jahres. Im Städtchen Horní Bříza (Oberbirken) nahe Pilsen eine gelebte Tradition zum Namenstag der Heiligen Cäcilia (22. November), der Patronin der Musikanten.
Bei uns ist die römische Märtyrerin Cäcilia nicht so populär wie etwa in den romanischen Ländern, dennoch veranstalten manche Musikvereine „Cäcilienkonzerte“, in Perg und Bad Goisern übermorgen, Samstag.
Cäcilia zu Ehren ist heute der internationale „Tag der Hausmusik“. Wer vor der Erfindung der Tonaufnahme Musik hören wollte, musste sich etwas vorspielen lassen, was sich aber nur adelige Mäzene leisten konnten. Bürger des 18. Jahrhunderts fanden eine andere Lösung: selbst musizieren. Das Biedermeier wurde zur Blütezeit der Hausmusik, vor allem für Töchter gehörte eine musikalische Ausbildung zur guten Erziehung und hob die Chancen auf „erfolgreiche Verheiratung“. In unserer Zeit führt das hohe Niveau im Hoamatland der Musikschulen zu Spitzenleistungen auch in der Hausmusik.
Als Musterbeispiel gilt die Familie Bruckner aus Inzersdorf: Vater Bernhard spielt steirische Harmonika, Mutter Katharina ist Harfenistin, die Kinder Anna (13) und Michael (10) glänzen mit Geige und Kontrabass. Erst vor drei Wochen erhielten sie die schönste Bestätigung, eine Auszeichnung beim Alpenländischen Volksmusikwettbewerb in Innsbruck. So fügt sich die Familienmusik Bruckner beim „Zipfer Advent“ gleichwertig ins Konzert anerkannter Spitzenmusikanten ein: Vario Brass, Mollner Maultrommler, Mühlviertler Quintett, Leonfeldner Kantorei. Wir erleben derzeit nicht nur einen Trachtenboom, auch die junge Volksmusik ist wieder im Aufschwung.

INFO: Mit den Partnern OÖNachrichten, Radio OÖ und Musikverein der Brauerei Zipf gestaltet Klaus Huber am 2. Dezember im Linzer Brucknerhaus den 36. „Zipfer Advent“. Beginn: 14 und 17 Uhr. Karten: OÖN Linz, Wels, Steyr, Ried und oeticket. www.zipfer-advent.at.