Tantiemen auch für Geschichten und Gedichte?

[23] OÖN 7. April 2011
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Vielen Amateur-Funktionären fehlt eine genaue Kenntnis rechtlicher Grundlagen ihres Tuns. Das kann ins Auge gehen. Denn allzu leicht verstößt man als Veranstalter gegen das „Bundesgesetz über das Urheberrecht an Werken der Literatur und der Kunst“.

Alltag in der Volkskultur: Ein Verein lässt einen wortgewandten Moderator durch eine Veranstaltung führen. Dieser unterhält das Publikum nicht nur mit Informationen und schlagfertigem Schmäh, sondern trägt auch eine lustige Geschichte eines beliebten Autors vor oder ein paar kurze Gedichte.

Wer denkt dabei schon an Tantiemen? Dass für Musik, live oder von CDs, Abgaben zu bezahlen sind, ist bekannt. Doch gilt das auch für Kurzgeschichten und Mundartgedichte? Eine kurze Umfrage unter Volkskultur-Veranstaltern hat gezeigt, dass diese Frage fast niemand zu beantworten weiß.
Die gesetzlichen Bestimmungen sind eindeutig: Als geschützte Werke im Sinne des Urheberrechtsgesetzes gelten „geistige Schöpfungen auf den Gebieten der Literatur, der Tonkunst, der bildenden Künste und der Filmkunst“. Schon im Jahre 1897 haben sich Autoren, Komponisten und Musikverleger zur Verwertungsgenossenschaft AKM zusammengeschlossen. Sie meldet alle Ansprüche an die 1959 von Autoren und Verlegern gegründete Verwertungsgesellschaft „Literar-Mechana“, die alle Entgelte einhebt und sie – abzüglich 6 bis 9% Spesen – an die Bezugsberechtigten auszahlt.
Deshalb sind Veranstalter verpflichtet, der AKM die genauen Programme vorzulegen. Die Höhe der zu bezahlenden Tantiemen richtet sich nach Kriterien wie Eintrittspreis, Besucherzahl, Moderatorenhonorar. Der Mindestsatz bei kleiner Gratisveranstaltung liegt unter 20 Euro, unabhängig von der Menge gelesener Texte.
Dabei gelten sogar Veranstaltungen mit „geschlossenem Teilnehmerkreis” wie Vereins- und Firmenfeiern als öffentlich und daher tantiemenpflichtig, wenn sie „außerhalb der Privatsphäre“ stattfinden.

Für chronisch finanzschwache Veranstalter wie Volkskulturvereine erhebt sich da die Frage, unter welchen Bedingungen sie keine Tantiemen bezahlen müssen:

  1. wenn der Moderator nur eigene Texte vorträgt,
  2. wenn nur Werke gelesen werden, deren Autoren vor mehr als 70 Jahren (Ende des Urheberrechts) gestorben sind,
  3. wenn ein Textautor keinen „Wahrnehmungsvertrag“ abgeschlossen hat, also kein Literar-Mechana-Mitglied ist.

Dieser letzte Punkt ist vor der Programmplanung überprüfbar: Im Internet finden Sie eine Liste aller eingetragenen Literar-Mechana-Mitglieder unter http://www.literar.at/dwn/uu/ver/mv/Mitgliederverzeichnis.pdf.

Und ein Spezialfall verdient es, als vorbildlich erwähnt zu werden: Klaus Karl aus Ottensheim, der mit mehr als 800 Musikstücken einfallsreichste Volksmusik-Komponist unserer Zeit, hat in einem Sondervertrag mit AKM auf alle Tantiemen aus der öffentlichen Aufführung seiner Stücke verzichtet, denn „wer meine Volksmusikstückln spielt, soll dafür nicht zur Kasse gebeten werden“.

INFO: www.literar.at, www.akm.at