Über das Alltägliche hinauswachsen – Jahr der Jubiläen 2012

[41] OÖN 5. Jänner 2012

Für Freunde der Volkskultur hält das noch junge Zwölfer-Jahr besondere Höhepunkte bereit. Denn „da Zwoara“ in der Jahreszahl kündigt Jubiläen an.

60 Jahre Amateurtheater Oberösterreich. Die große Theaterfamilie mit ihren rund 300 Mitgliedsgruppen wächst wieder über das Alltägliche hinaus. Für ihre Geburtstagsfeier am 30. September in den Kammerspielen veranstaltet sie den Mini-Dramen-Wettbewerb „Tisch uns deine Geschichte auf“. Möglichst viele neue Theaterminiaturen sollen beim Jubiläumsfest aufgeführt werden.

100 Jahre hat die „Altstädter Bauerngmoa“ auf dem bewährten Buckel. Der Trachten- und Kulturverein in Linz arbeitender Mühlviertler verdankt seinen Namen der Lage des Gründungslokals „Zum Roten Krebs“  in der Altstadt. Ihre Schnalzergruppe, alljährliche Neujahrsattraktion vor dem Landhaus, hat die Bauerngmoa bekannt gemacht. Den Hunderter feiert sie am 17. Mai (Christi Himmelfahrt) im Landhaus und eine Woche darauf im Schlosspark Ebelsberg.

130 Jahre besteht bereits der Stelzhamerbund. Er wurde 1882 gegründet, um das Geburtshaus des 1802 geborenen Mundartdichters Franz Stelzhamer in Großpiesenham (Gemeinde Pramet) zu erhalten. Daraus entwickelte sich ein Verein mit weit über 1.000 Mitgliedern in mehreren österreichischen Bundesländern, in Bayern, Südtirol und Südböhmen, der die Mundartdichtung pflegt und zeitgemäß weiter entwickelt. 
Ehrgeizigstes Ziel nach 1945 war das Bestreben, Stelzhamers Gedicht „Hoamátgsang” zur oö. Landeshymne zu erheben. Das gelang am 28. November 1952 durch einstimmigen Beschluss der Landesregierung.

60 Jahre „Hoamatland, i han di so gern…“ Das Jubiläum der einzigen Landeshymne in Mundart wird mit einer Festveranstaltung im Landhaus gewürdigt. Sie sei „sicher die meistgesungene Hymne dieser Welt“, sagt Landeshauptmann Josef Pühringer und stellt neben den heuer feiernden Verbänden die gesamte Volkskultur aufs Podest: „Sie hat von allen Kultursparten die breiteste Akzeptanz, weil sie so viele Menschen anspricht, dass sie überall zuhause ist. Die Volkskultur braucht am allerwenigsten um ihre Anerkennung bei den Menschen besorgt sein.“

Am 17. März wird in Linz das „oö kulturquartier“ eröffnet, gemeinsames Dach für die bisher getrennten Kulturzentren OK und Ursulinenhof. Besonders der „Uhof“ hat sich als häufig genutzte Spielstätte für jene Verbände bewährt, die die Volkskultur in der Stadt hochhalten. Das erfordert großen Einsatz, ist doch Linz nicht gerade das natürliche Biotop etwa von Volkstanz, Tracht oder Blasmusik. Das Land honoriert ehrenamtliches Bemühen auch mit bescheidener Bemessung der Kosten für die Saalbenutzung im Kulturquartier. So können beliebte Veranstaltungen wie die „Hofschreiber“ des Stelzhamerbundes weiterhin monatlich im Uhof stattfinden. Mit Auslastungsgarantie, das sei besonders betont. Denn nicht alle Veranstalter füllen Säle so verlässlich wie Musikanten, Goldhaubenfrauen und Mundartdichter.

INFO: www.amateurtheater-ooe.at, www.altstaedter.trachtler.at, www.stelzhamerbund.at.