Volkskultur als Dialog: Das Trennende kann uns zusammenschweißen

[117] OÖN 21. August 2013

Wie der Hofnarr oft der Gescheiteste unter Würdenträgern und Schranzen war, kann im Absurden mehr Wahrheit stecken als in Alltagsweisheiten. So wird die heurige Sommerakademie des Österreichischen Volksliedwerks – von 28. bis 31. August in Gmunden – in Vorträgen und Diskussionen die Erkenntnis fördern: In den unterschiedlichen kulturellen Prägungen liegt die große Chance, dass Einheimische und Migranten einander entdecken. Das scheinbar Trennende kann uns zusammenschweißen.
Bei den Dreharbeiten für den Film „Bunte Töne, klingende Farben“ etwa beeindruckte uns VÖSTA, der Linzer „Verein österreichischer StudentInnen türkischer Abstammung“, mit einem Tanzkurs als Integrationsprogramm: Eine Kurdin bringt Österreichern  türkische Tänze bei, beim Walzer dreht sich dann alles umgekehrt. Trotz – kulturell begründet – unterschiedlicher Körpersprachen finden die Menschen rasch zueinander, plötzlich schätzen sie „das Andere“.
Die klaren, einfachen Strukturen aller Volkskulturen erleichtern die Verständigung, denn Grundmuster, Inhalte und Funktionen sind überall in ähnlichen Formen vorhanden und lassen sich leicht erlernen. Das Herbeireden einer heilen Welt würde jedoch niemandem helfen. Daher werden in der Sommerakademie, statt die Augen vor Problemen zu verschließen, Konflikterfahrungen offengelegt. Wie jede Krise durch ihre Bewältigung zur neuen Chance werden kann, fördern Rückschläge auch das kreative Potential. In Workshops werden Möglichkeiten des Vermittelns durch Volkskultur erarbeitet.
Über aller Theorie thront das gemeinsame Erleben. Man kann über „Musik zwischen Orient und Okzident“  trefflich referieren und diskutieren; wenn dann d’ Musi wirklich aufspielt, wandert die Erkenntnis vom Kopf in den Bauch, und dort bleibt sie auch.

info: Sommerakademie „Volkskultur als Dialog“, 28.-31. August, Gmunden, www.volksliedwerk.at.