Volkskultur-Sommer: Schmankerlangebote statt großer Feste

[111] OÖN 4. Juli 2013

„Der Sommer ist eine blöde Jahreszeit“, grantelt mein wandelndes Volkskultur-Barometer. Dazu habe ich meinen ehemaligen Nachbarn Franz ernannt, dessen stets kurz und bündig formulierte Diagnosen häufig genau das ausdrücken, was eine nicht befragte Mehrheit empfindet. Es funktioniert wie beim Polit-Barometer: genauso aussagekräftig und zuverlässig, auf Einzelmeinungen beruhend.

Warum blöde Jahreszeit? „Baden mag ich nicht, zum Wandern ist’s zu heiß, kulturell wird mir nichts geboten.“ Sommerphobie. Gegen seine Bewegungsarmut ist kein Kraut gewachsen, aber Kulturmangel im Sommerloch? Einspruch!  Es jagt doch ein Festival  das andere! „Rock und Pop interessieren mich nicht mehr“, räsoniert dieser Spross der 60er Jahre, „die Stones kommen nicht und für die neue Musik bin ich nicht derrisch genug.“

Zur Zielgruppe aktueller Jugendkultur zählt Franz wirklich nicht. Er ist engstirnig, doch anspruchsvoll, lässt sich kein X für ein U vormachen, aber vielleicht gelingt es mir mit E statt U beim Verführen zur Musik?  Das E-Musik-Angebot in der grassierenden Festivalitis wird immer größer, da ist wirklich für jeden etwas dabei. „Nicht für mich“, lehnt er ab, „so wollen nur Sänger und Musiker ihren Sommerwohnsitz finanzieren. Nichts als bezahlte Proben.“

Wie kann ich ihm bloß seine Scheuklappen herunterreißen? Vielleicht hilft ja schonungslose Offenheit: „Auch in der Volksmusik gibt’s Gruppen, deren Mitglieder so weit von einander entfernt wohnen…“ Er setzt selber fort: „…dass sie auftreten, wenn sie das Gefühl haben, sie müssten wieder einmal zusammenspielen. Ich weiß, manche üben vor Publikum. Aber sie spielen wenigstens das, was ich gerne höre.“

Bei ihm sind Hopfen und Malz verloren und auch die Argumente. Doch die Volkskultur verfällt sicher nicht in eine Sauregurkenzeit. Nach der Terminfülle im Frühling gibt sie es jetzt nur wesentlich ruhiger. Statt großer Sommerfeste locken regionale Schmankerlangebote, vom Bürgergarde-Aufmarsch in Gmunden (morgen, 18 Uhr, Schloss Cumberland) bis zum musikalischen Almsommer im Nationalpark Kalkalpen (ab 21. Juli) und dem Frankenburger Würfelspiel (ab 31. Juli).