Vom Schnupperplatteln bis zur Dorfpassion

[22] OÖN 24. März 2011

Das Frühlingserwachen fördert auch zutage, was den Volkskultur-Verbänden in den lichtärmeren, doch ideenreichen Monaten eingefallen ist. Den wirkungsvollsten Beitrag zum jährlich grassierenden März-Fasten, sei es aus religiösen Gründen oder zum Anpassen der Figur an die Konfektionsgröße des Frühjahrsgwands, liefern die Trachtler: „Schnupperplatteln“ heißt ihre Tanz- und Abnehmidee der Saison. Schuhplatteln für jedermann bieten sie an, während der gesamten Fastenzeit laden sie jeden Donnerstag zur urigen Synchronbewegung in den Heimbauverein Asten. Wenn das Schuhplatteln im Land ob der Enns auch nichts Bodenständiges ist – diese sportliche Abnehmkur verführt zur Volkskultur.
Viel ruhiger, doch mit gleichem Eifer bereitet sich St. Marienkirchen am Hausruck auf die „Dorfpassion“ vor, die Leidensgeschichte in Innviertler Mundart am Passionssonntag (10. April).
Sänger und Musikanten erarbeiten jetzt das Repertoire für die Frühlingskonzerte, Bürgergarden und Prangerschützen rüsten sich für Ausrückungen. Goldhaubenfrauen entwerfen neue Trachten und legen bei Wohltätigkeitsveranstaltungen sowieso nie längere Pausen ein.
In allen 20 oö. Freilichtmuseen wird an Ideen für ihr Fest am 15. Mai getüftelt, der heuer zum Sonntag der Volkskultur geraten wird. Gleichzeitig laden nämlich die Gemeinde Pramet und der Stelzhamerbund zum Fest der Mundart ins Dichterdorf Großpiesenham ein. Motto: „Oberösterreich feiert seine Sprache“.
Ähnliches gilt für Schauspieler, Denkmalforscher, Landjugend, Amateurfotografen u.v.a. In dieser Phase intensiver Basisarbeit proben sie, unabhängig vom Fasten, für das Ende der Enthaltsamkeit. Endlich wieder Veranstaltungen! Ab Ostern überziehen sie das ganze Land mit der geballten Fülle volkskultureller Auftritte.

So wird der Winter mit lustvoll sprühender Aktivität vertrieben. Diesen Zweck verfolgten von alters her die Frühlingsfeste aller Kulturen. Zu diesen Festen gehörten stets auch literarische Miniaturen. Mit dem Thema Frühling befassten sich die bedeutendsten Lyriker von China bis Europa, von Shakespeare und Puschkin bis Baudelaire und Goethe. Der Romantiker Joseph von Eichendorff lässt sich in einem Frühlingsgedicht von der Natur die ersehnte Liebe verheißen. Robert Schumann hat dieses Gedicht vertont, die oö. Dichterin Pauline Mora hat es jetzt in Mundart übertragen:

Frühlingsnacht (1837) fruahjahrsnacht (2011)
   
Übern Garten durch die Lüfte iwan goatn, grod beim hoamgeh,
Hört ich Wandervögel ziehn, hear i d wondavögö ziahng,
Das bedeutet Frühlingsdüfte, duftn tuats so lind und lee,
Unten fängts schon an zu blühn. untn gschpiar i s erschte bliahn.
   
Jauchzen möcht ich, möchte weinen, juchzn mecht i und a woana,
Ist mirs doch, als könnts nicht sein! gibts ja kaum, wia guats mir geht!
Alte Wunder wieder scheinen oide wunda zoagt ma oana,
Mit dem Mondesglanz herein. der hoch drobm am hümmö steht.
   
Und der Mond, die Sterne sagens,  und da mond und d stern sogns zu mir,
Und in Träumen rauschts der Hain, in de tram flüsterts da woid,
Und die Nachtigallen schlagens: goa de nochtigoi singt vo ihr:
Sie ist deine, sie ist dein! sie wü zu dir, kimmt scho boid!