Wie der Himmelbauer zum Krippenbauer wurde

[38] OÖN 17. November 2011

Zu den Erfolgen seines Künstlerlebens zählen Ausstellungen in Wien, Paris, Mailand, Verona, Köln. Seine Werke stehen in renommierten Häusern mehrerer Länder, die UNESCO stiftete eines für ein Museum in Bethlehem. Dort „gehört’s“ auch hin, denn vom Ursprungsort des christlichen Glaubens bezieht er seine Inspiration. Der gefragte Künstler ist Krippenbauer und trägt den schönsten Namen für einen Mann dieser Profession: Himmelbauer. Robert Himmelbauer. Morgen, 18. November, feiert er seinen 80. Geburtstag.….(Foto: K. Huber)

Sein Markenzeichen sind Krippen „aus einem einzigen Patzen Ton“. Diesem herausragenden Vertreter österreichischer Volkskunst widmen die OÖ. Landesmuseen eine Ausstellung. Damit wird ein Mann geehrt, der es vom Mühlviertler Buben zum erfolgreichen Künstler gebracht hat, ohne jemals seine einfache Herkunft zu verleugnen. So liebenswürdig er geblieben ist, so granithart kann sein Mühlviertler Schädel sein. Tritt ihm jemand großspurig gegenüber, „dann is’s scho aus bei mir“, sagt er, „den lass i net amoi bei da Tür eina. A Muatterl oder a Knecht, die a Herz habn, san mir weit liaba“.

Denn Robert Himmelbauer kennt die Armut. Er wurde 1931 in Unterweißenbach (Bezirk Freistadt) als lediges Kind einer Bauernmagd geboren und wuchs bei einem Onkel auf, einem Schuster, der selbst elf Kinder hatte. Seinen Vater, einen Bäckergesellen, fürchtete er sogar und suchte deswegen zeitlebens eine andere Vaterfigur, leider vergeblich. Umso wichtiger ist es nun ihm selbst, für seine vier Kinder und neun Enkel da zu sein.

„Der Onkel hat mich aufgenommen, aber nie wirklich angenommen“, unterscheidet Himmelbauer. Er musste immer arbeiten: als Halterbub, Holzträger, Bauern- und Greißlergehilfe. Oft ging er mit einem Messer hinaus auf den Acker, um Figuren in Rüben zu schnitzen. Heute formen seine Hände ausdrucksstarke Gesichter und Körper aus Ton.

Dazwischen liegen Jahre als Schneider, Telegrafenbauer, Zeitungsausträger beim OÖN-Vorläufer „Tages-Post“ und Straßenbahnschaffner. Schließlich arbeitete er bis zur Pensionierung in der Finanzkammer der Diözese Linz. Dort erkannten Monsignore Füglister und Personalchef Slapnicka seine künstlerische Begabung. Neben der Finanzkammer stand eine Holzhütte, in der Heizkohle gelagert war. Diese Hütte wurde Himmelbauers Werkstätte, obwohl Dombaumeister Gottfried Nobel dagegen war: „Kommt nicht in Frage, Dilettanten fördert man nicht!“ Trotzdem durfte Himmelbauer, der bisher in der Familienwohnung schnitzen musste, die Kohle hinausschaufeln und dort werken. „Architekt Nobel hat mir dann als einer der ersten eine Krippe abgekauft“, gibt er sich schmunzelnd versöhnt.

In der Mühlviertler Gemeinde Hirschbach trug Himmelbauer als Kustos viel zum Aufschwung des Bauernmöbelmuseums bei, und er sanierte ein altes Häuschen, in dem seither zahlreiche herrliche Werke entstanden sind. Dieser Mann liebt die Volkskultur: „Ich fühle mich wohl bei diesen Menschen und muss mich zusammenreißen, dass ich nicht immer jeden umarme.“

TIPP: Ausstellung „Der Heiland ist geboren – Krippen von Robert Himmelbauer“, Schlossmuseum Linz, 27. November 2011 bis 2. Februar 2012.