Wie viel ist uns die eigene Geschichte wert?

[7] OÖN 19. August 2010

Wie viel ist uns die eigene Geschichte wert? Diese grundlegende Frage aller Museumserhalter brennt den oö. Freilichtmuseen unter den Nägeln, Sparren und Schindeln. Denn sie werden künftig wesentlich mehr finanzielle Unterstützung brauchen als bisher, um die steinernen und hölzernen Zeugen früherer Arbeitswelt erhalten zu können.

Es geht um Millionen. Sie aufzubringen, wird wohl dem Land nicht erspart bleiben. Es wird seine Förderungspolitik überdenken müssen. „Die dauerhafte Erhaltung der Bausubstanz und Einrichtung der 20 Freilichtmuseen wird pro Jahr ca. eineinhalb Millionen Euro erfordern“, rechnet der Linzer Architekt Stefan Lueginger vor. Der HTL-Professor, Dipl.Ing. und Dr. techn. ist auch Geschäftsführer des Verbandes der oö. Freilichtmuseen.

Eineinhalb Millionen Euro würden für das Land mehr als eine Verdreifachung des derzeitigen Fördervolumens bedeuten. Wie soll so viel Geld aufgebracht werden? Lueginger: „Es muss auch in anderen Kulturbereichen mehr ehrenamtlich gearbeitet werden. Das ermöglicht dann die notwendige Umverteilung der Fördermittel.“

Um konkrete Vorschläge ist er nicht verlegen: „Unsere Mitarbeiter – wie auch zum Beispiel Feuerwehrkommandanten und viele andere – leisten ihre gesamte Arbeit ehrenamtlich. In anderen Bereichen der Volkskultur, insbesondere im Musikwesen, werden dagegen Gagen bezahlt, und Blasmusiker bekommen sogar Instrumente gratis.“

Museen gegen Musik? „Keineswegs, nur Beispiele für Ungleichbehandlung“, kontert Lueginger. „Unsere Funktionäre fahren pro Jahr insgesamt mindestens 20.000 km mit ihren Privatautos und bezahlen sogar das zur Gänze selbst. Das gemeinsame Anliegen ist uns so viel wert. Aber die Erhaltung der alten Bausubstanz unserer Museen muss die ganze Gesellschaft finanzieren, also das Land.“

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Die Freilichtmuseen stecken in der Zwickmühle, zwischen Anforderungen und Problemen aufgerieben wie das Getreide zwischen ihren Mühlsteinen: Alte Gebäude nicht mit modernen Mitteln, sondern ihrem Entstehungszeitraum entsprechenden Methoden originalgetreu zu erhalten, verlangt großes Können, riesigen Zeit- und Geldaufwand.
Oft wird vorgeschlagen, die Freilichtmuseen sollten mit „Events“ viele zahlende Besucher anlocken. Das lehnen die Verantwortlichen jedoch ab: Großer Menschenandrang gefährde Einrichtung und Bausubstanz, damit Vermögenswerte.
In dieser schwierigen Situation zuckten die Betreiber der Freilichtmuseen heuer ein weiteres Mal zusammen: Seit 1. Jänner bieten die Landesmuseen und die Museen der Stadt Linz für Schulklassen freien Eintritt an. Sehr erfreulich! Doch die kleinen Museen, die sogar auf die geringen Eintrittsgebühren von Schulkindern bei Wandertagen und Exkursionen angewiesen sind, befürchten deshalb weitere Einbußen. Wieder ein paar hundert Euro weniger! Wer wird im Nahbereich von Linz noch zu uns kommen, fragen sie sich bestürzt, wenn die großen Museen mit Gratiseintritt locken?
Die Bewahrer des Alltagslebens vergangener Zeiten sind von uns allen abhängig. Und vom Fördertopf des Landes. Wie viel ist uns die eigene Geschichte wert?