Was d’Schmied-Seppin und die Böhmová eint

[3] OÖN 24. Juni 2010

Selbst Hässliches, Verachtetes und Wertloses kann sich zum gehüteten Schatz entwickeln. Bevor es so sehr geschätzt wird, muss es allerdings bereit sein, beizeiten auszusterben.

Niemand braucht mehr die verbeulte Mülipitschn, mit der ich in den fünfziger Jahren die Milch holte; jetzt steht sie als Prachtstück im Museum.

In gleicher Weise sterben sprachliche Besonderheiten langsam ab und später aus. Als Musterbeispiel empfiehlt sich die Endung -in bei Familiennamen. Die weibliche Namensform („d’Maierin“) wurde früher sogar offiziell geschrieben: „Frau Maierin wurde gezwungen, wegen Unterschied ihres Glaubensbekenntnisses, ihren Mann zu verlassen und auszuwandern“ (Kärnten anno 1637).

Die Köchin Maria heiratete Herrn Schneider und wurde so, ohne den Beruf zu wechseln, zur Schneiderin.
Frau Schmied war natürlich d’Schmiedin. Gab es im Ort allerdings mehrere Männer namens Schmied, wie sollte man da wissen, zu welchem sie gehörte? Die Mundart wusste sich zu helfen: Josefs Ehefrau war d’Schmied-Seppin, Sebastians Angetraute dagegen d’Schmied-Wastlin.
Der Volksmund verrät uns auch sofort, ob eine Frau einen Landwirt geheiratet hat oder einen Mann namens Bauer. Als Erfolg von „Bauer sucht Frau“ könnte heutzutage etwa die Großstadtpflanze Erika Bauer aufs Land heiraten; dann wird d’Bauerin zur Bäurin.

Die gewachsene Sprachkultur hat keine Genderprobleme.

In manchen slawischen Sprachen werden weibliche Namensendungen sogar offiziell verwendet. Wladimir Putins Frau heißt in Russland Putina, Frau Svoboda in Tschechien Svobodová, ihre Nachbarinnen Navrátilová und Pospíšilová. Diese tschechische Endung -ová entspricht in Bedeutung und Verwendung genau der deutschen Endung -in. Auch an ausländische Familiennamen wird sie angehängt: Die Damen Šubertová, Hoferová, Huberová sind Tschechinnen.

Ja, es verbindet uns sehr vieles mit den Menschen, von denen uns jahrzehntelang eine Grenze aus Politik, Ideologie und Stacheldraht trennte. Die kulturellen Gemeinsamkeiten leben. Im Böhmerwald veranstaltet der Sängerbund Haslach an der Mühl am Samstag, 26. Juni ein Doppelkonzert. Initiator Dr. Helmut Baumgartner, Haslacher Arzt und Chorleiter, hat dazu auch „s Weiwagschroa“ aus Helfenberg und zwei Chöre von den Nachbarn eingeladen.

Theodor Pártl leitet den „Südböhmischen Lehrerchor“ aus Budweis (dessen Sängerinnen tragen Namen wie Pártlová, Krausová, Böhmová), das Ensemble „Musica viva“ kommt aus Adalbert Stifters Heimatort Oberplan.
Historisch interessante, attraktive Schauplätze sind die Kirche
St. Thomas (18 Uhr) und die sagenumwobene Ruine Wittinghausen (19 Uhr, Foto: Klaus Huber), von Stifter romantisch beschrieben als „verfallene Ritterburg, von dem Thale aus wie ein luftblauer Würfel an­zusehen, der am obersten Rande eines breiten Waldbandes schwebt“. Zufahrt beschildert: vom Grenzübergang Guglwald 13 km über Pasečná nach Svatý Tomáš / Vítkův kámen.

Eine österreichisch-tschechische „Musiroas“ veranstalten die Musikschulen Bad Leonfelden und Kaplitz/Hohenfurth am Sonntag, 27. Juni, 11 Uhr im Stiftshof von Hohenfurth / Vyšší  Brod.