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Man kann sehr wohl – im Gegensatz zu seichten Zeiterscheinungen – Humor mit hohem Qualitätsanspruch bieten! Das bewiesen  Mundartdichter aus drei Bundesländern beim Fest der Volkskultur in Molln.
Der große Saal im Nationalparkzentrum war bis auf den letzten Platz besetzt – unter den Besuchern auch Landeskulturdirektorin Margot Nazzal und Forum-Volkskultur-Präsident Herbert Scheiböck -, als die grandiosen Mollner Maultrommler den Festabend des Stelzhamerbundes eröffneten. Was die interessante Besetzung mit Ziach, Gitarre, Tuba und zwei Maultrommelspielern an musikalischer Raffinesse zu bieten hat, ließ die Zuhörer atemlos staunen und tosenden Beifall spenden.
Solche Anerkennung wurde auch der erstaunlichen Breite sprachlicher Vielfalt zuteil, mit der die Dialektkünstler überzeugten. Dafür hatte Programmgestalter und Moderator Klaus Huber ein Spitzendutzend der Gruppe “neue mundart” aufgeboten, die heuer ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Deshalb stand deren scharfzüngige, zeitkritische Gedanken in knappster Form auf den Punkt bringende Formulierkunst im Mittelpunkt. Angeführt von “neue mundart”-Leiter Engelbert Lasinger, mit Schauspieler Leopold Schöllhuber, dem grimmigen Reinhold Imböck und dem kein kritisches Wort scheuenden Religionslehrer Karl Hackl in vorderster Linie, provozierten sie Lacher um Lacher und begeisterten Applaus, der in gleicher Weise auch Hannes Decker, Christine Kaltenböck, Theresia Lindner, Eveline Mateju, Bruno Mayer, Walter Osterkorn, Hannes Thauerböck galt.
Daneben widmet sich der Stelzhamerbund weiterhin jedem literarischen Genre, solange es in bodenständiger Sprache gepflegt wird. Traditionelle Dichtung bot bei diesem Festabend Karl Pumberger-Kasper, der, als Innviertler dafür prädestiniert, aus dem Werk Franz Stelzhamers u. a. “‘s Gottsnam” rezitierte, ebenso jedoch Zeitgenössisches aus eigener Feder. “Altmeister” Hans Dieter Mairinger beeindruckte mit einer Lesung aus “Da kloane Prinz”, seiner Dialektversion von Antoine de Saint-Exupérys Welterfolg.
Zum 220. Geburtstag Franz Stelzhamers (geboren 1802) und zum 140-jährigen Bestehen des Stelzhamerbundes (gegründet 1882) hatte der Dichterklub einen Wettbewerb für Kurzgeschichten ausgeschrieben, um neben der Lyrik auch die Mundartprosa zu fördern. Nach Beurteilung der 60 Einsendungen lud die Jury die zehn Bestplatzierten – neun Damen und einen Mann – zum Festabend in Molln ein. Erst hier wurden die Gewinnerinnen bekanntgegeben und geehrt. Anni Mathes aus Bludesch (Vorarlberg) gewann vor Brigitte Angleitner aus Eitzing (OÖ, Bezirk Ried) und Karin Heiß aus Vomp (Tirol). Ihr Vortrag der ausgezeichneten Kurzgeschichten geriet zum Klangerlebnis. Dabei zeigte sich einmal mehr: Es sind die grundverschiedenen Klangfarben regionaler Dialekte, unserer Muttersprache(n), auf denen die anhaltende Faszination von Mundartabenden und Dichtertreffen beruht.

Bei der Generalversammlung des Stelzhamerbundes am 10. September wurde der Vereinsvorstand neu gewählt:

Präsident: Klaus Huber
Vizepräsidenten: Karl Pumberger-Kasper und Hannes Decker
Kassierin: Elfriede Pachleitner
Schriftführerin und Kassierin-Stellvertreterin: Christa Osterkorn
Schriftführerin-Stellvertreterin: Christine Huber
Archivar und Leiter neue mundart: Engelbert Lasinger
Bibliothekar und Leiter Schreibwerkstätten:  Walter Osterkorn
Vertreter der Bezirksleiter: Berndt Pachleitner
Vorstandsmitglied ohne Portefeuille: Elisabeth Schiffkorn
Rechnungsprüfer: Robert Schöffl und Eveline Mateju

Die für eine fünfjährige Funktionsperiode Gewählten bedanken sich bei der Generalversammlung für das einstimmig ausgesprochene Vertrauen.

Er war eine unumstrittene Allzeitgröße unserer Volkskultur, am 27. August hat er uns verlassen. Der Stelzhamerbund trägt Trauer.

Geboren am 23. Jänner 1937, sollte Hans Samhaber ursprünglich eine kirchliche Laufbahn im Orden der Kapuziner einschlagen. “Ich habe aber festgestellt, dass das nicht mein Weg ist”, sagte er in einem Interview. So wurde der begeisterte Sportler – immerhin Vize-Landesmeister im 200-Meter-Lauf – Familienvater und Lehrer, in dessen Leben der Glaube stets eine zentrale Rolle einnahm.
Sein Wirken in der Volkskultur setzte vor 60 Jahren ein. Als 24-jähriger Volksschullehrer wagte er es 1961 nicht, gegen seine Versetzung von Eberschwang ins Nachbardorf St. Marienkirchen am Hausruck aufzubegehren. Er schwor sich jedoch: „In diesem Nest werde ich nicht alt!“ Dann lernte er das Nest lieben und blieb dort bis zu seinem Tod, der Oberösterreichs Volkskultur in einen Schockzustand versetzte. Wir haben unseren charismatischen Ratgeber verloren, ein großes Vorbild. Nie übte er Druck aus, um jemanden für eine Idee zu gewinnen. Er hörte aufmerksam zu und überzeugte mit klug gewählten, sanft präsentierten Argumenten. So gewann er Menschen für die Kultur, bewegte sehr viele zum Mitmachen.

St. Marienkirchen erlebte Samhaber damals als „gesellschaftlich tote Gemeinde“, daher gründete er, um Gemeinsamkeit zu schaffen, sofort einen Chor. Anfangs als „Keuchhustenverein“ belächelt, gewann er jedoch unter diesem Chorleiter rasch an Qualität. Dann entstand die Arbeitsgemeinschaft für Dorfkultur. Schon 1962 fand das erste Adventsingen statt – im Freien, trotz klirrender Kälte, „dass die Töne einfrieren“, wurde geschrieben –, und 1974 Oberösterreichs erstes Passionssingen. Hans Samhaber schrieb Mundartmessen und Hirtenspiele, komponierte Lieder, setzte Jahr für Jahr neue Meilensteine. Bald wurden viele seiner Schüler – darunter seine zwei begabten Söhne – selbst zu Trägern der Volkskultur. So gelang es ihm, die Dorfgemeinschaft zusammenzuschweißen.
Das blieb nicht unbemerkt. Der Dorflehrer wurde 1992 Präsident des OÖ. Forums Volkskultur und führte diesen Dachverband mit pädagogischem Geschick. Er brachte selbst die meisten Ideen ein, erfand 1995 das große Fest der Volkskultur. So dehnte sich sein Aktionsfeld auf das ganze Bundesland aus. Seine Titel – Direktor, Konsulent, Professor – betonte er nie. Nach seinem Bekanntheitsgrad lechzten viele Politiker. Ihn erkannte man schon am nicht zu bändigenden weißen Haarschopf.
Menschlichkeit und Bescheidenheit zeichneten ihn aus. Was er selbst für seinen „aufbrausenden“ Charakterzug hielt, war nur eine profane Variante heiligen Zorns. Viel öfter ließ er Mitmenschen seine Toleranz spüren. Was tun, wenn jemand zwar gerne singt, aber eher durch Misstöne auffällt? Aus Hans Samhabers Chor wurde niemand hinausgeschmissen. Er sagte: „Denen, die etwas noch nicht können, sollen wir in Liebe begegnen.“

Diesen leisen, weisen Mann kann niemand ersetzen.