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Trauer um Hans Samhaber

19.09.2021

Er war eine unumstrittene Allzeitgröße unserer Volkskultur, am 27. August hat er uns verlassen. Der Stelzhamerbund trägt Trauer.

Geboren am 23. Jänner 1937, sollte Hans Samhaber ursprünglich eine kirchliche Laufbahn im Orden der Kapuziner einschlagen. “Ich habe aber festgestellt, dass das nicht mein Weg ist”, sagte er in einem Interview. So wurde der begeisterte Sportler – immerhin Vize-Landesmeister im 200-Meter-Lauf – Familienvater und Lehrer, in dessen Leben der Glaube stets eine zentrale Rolle einnahm.
Sein Wirken in der Volkskultur setzte vor 60 Jahren ein. Als 24-jähriger Volksschullehrer wagte er es 1961 nicht, gegen seine Versetzung von Eberschwang ins Nachbardorf St. Marienkirchen am Hausruck aufzubegehren. Er schwor sich jedoch: „In diesem Nest werde ich nicht alt!“ Dann lernte er das Nest lieben und blieb dort bis zu seinem Tod, der Oberösterreichs Volkskultur in einen Schockzustand versetzte. Wir haben unseren charismatischen Ratgeber verloren, ein großes Vorbild. Nie übte er Druck aus, um jemanden für eine Idee zu gewinnen. Er hörte aufmerksam zu und überzeugte mit klug gewählten, sanft präsentierten Argumenten. So gewann er Menschen für die Kultur, bewegte sehr viele zum Mitmachen.

St. Marienkirchen erlebte Samhaber damals als „gesellschaftlich tote Gemeinde“, daher gründete er, um Gemeinsamkeit zu schaffen, sofort einen Chor. Anfangs als „Keuchhustenverein“ belächelt, gewann er jedoch unter diesem Chorleiter rasch an Qualität. Dann entstand die Arbeitsgemeinschaft für Dorfkultur. Schon 1962 fand das erste Adventsingen statt – im Freien, trotz klirrender Kälte, „dass die Töne einfrieren“, wurde geschrieben –, und 1974 Oberösterreichs erstes Passionssingen. Hans Samhaber schrieb Mundartmessen und Hirtenspiele, komponierte Lieder, setzte Jahr für Jahr neue Meilensteine. Bald wurden viele seiner Schüler – darunter seine zwei begabten Söhne – selbst zu Trägern der Volkskultur. So gelang es ihm, die Dorfgemeinschaft zusammenzuschweißen.
Das blieb nicht unbemerkt. Der Dorflehrer wurde 1992 Präsident des OÖ. Forums Volkskultur und führte diesen Dachverband mit pädagogischem Geschick. Er brachte selbst die meisten Ideen ein, erfand 1995 das große Fest der Volkskultur. So dehnte sich sein Aktionsfeld auf das ganze Bundesland aus. Seine Titel – Direktor, Konsulent, Professor – betonte er nie. Nach seinem Bekanntheitsgrad lechzten viele Politiker. Ihn erkannte man schon am nicht zu bändigenden weißen Haarschopf.
Menschlichkeit und Bescheidenheit zeichneten ihn aus. Was er selbst für seinen „aufbrausenden“ Charakterzug hielt, war nur eine profane Variante heiligen Zorns. Viel öfter ließ er Mitmenschen seine Toleranz spüren. Was tun, wenn jemand zwar gerne singt, aber eher durch Misstöne auffällt? Aus Hans Samhabers Chor wurde niemand hinausgeschmissen. Er sagte: „Denen, die etwas noch nicht können, sollen wir in Liebe begegnen.“

Diesen leisen, weisen Mann kann niemand ersetzen.