Frischpensionist

Von Walter Osterkorn

Obwohl ih oiwei gern oawatn gaunga bin, hab ih mih de letztn Joahr scho auf Pension gfreit. Wer denkt net gern auf a Zeit, wo a sihs guat geh lassn kaun. In da Fruah net boid aufsteh, beim Frühstück Zeitung lesn und erst daun gmiatlih ins Bad geh. Beim Tag des macha, zu was ma grad Lust hat. Nauja, außa es braucht oan sei liabe Frau. Des is aba net so tragisch, weil ma eh de meiste Zeit zur Vafügung hat, wo ma friaha oawatn hat miassn. Und an gaunzn Tag pickt ma eh ned beinaund. Olle boa Tag muass einkafm geh und zum Oarzt hadschds ah scho gleih jede Wocha. Ma kaun ah de Zeit nutzn, wos mit de Nachbarinnen tratscht. Außerdem gehts öfter zu oana, de ihr Zechanägl schen herricht. Zechannäglmanikür oder wia ma des nennt. Ihre Finganägl macht sa sih eh säm, wei da braucht sa sih net bucka. Zu de Fiaß kimmts hoit mit ihrn hinichn Kreiz nimma abe. Friaha hätts nuh aundas ausgschaut, da hat sihs net in Kreiz ghabt und nebmbei gsagt, da san  ah Zechannägl nuh grad gwachsn.

Dass ih aba wieda zum Thema kimm, zu meiner Pensionierung. So stoark, was ih mih gfreit hab drauf, so unguat is ma wordn, wias soweit gwen is. Ih, a Pensionist, des hab ih ma auf oamoi nimmer richti vorstön kinna. Waun ih ma in Spiagl gschaut hab, woan meine Gedaunkn, na, so oid schaust nuh net aus. Und d Leit, waun mih de auf oamoi ois „Pensionist“ aunredn. Des passt net zu mein Ausschaun, des hoit ih net aus. Mei guade Stimmung woa in Käller. Was mach ih hiatz? Beim Tag verstecka und mih erst auf d Nacht zoagn. Wia ih nuh oawatn gaunga bin, haums mih ah erst auf d Nacht gsehgn. Des geht aba auf Dauer schlecht. Meina Frau wü ihs ja ah net zoagn, dass ma des so zuasetzt. De versteht mih da sicher net.

Nach laungen Überlegungen is ma a Idee kemma. Ih richt mih oafach jünger zaum, ziahg mih a weng besser aun, daunn merkans d Leit net, dass ih in Pension bin. De Meine hats net recht verstaundn, wia ih ma auf amoi a modernas Gwaund kaft hab. Was komplett durchanaund bracht hat, ih hab ma an Haarteu macha lassn, an Peppi, wia ma so schen sagt. „Hiatz, wosd in Pension bist, wirst oiwei bleda“, hats gschimpft, „so kaun ma ja net amoi mehr fortgeh mit dir“. In an Saumsta auf d Nacht san ma aba doh mitanaund fort. Kaum bei da Haustür draußn, gegnd uns scho da Nachbar.

„Griaß eich“, hat er freindlih gsagt, „gehts leicht auf an Fetznball“? „Wia kimmst denn auf des“, hab ihn gfragt. „Weils dih so jung zaumgricht hast. Glatzn siahgt ma ah koane mehr, haums da an Schüwe Haar auffepickt. Und des Gwaund, ma kinnt glaubm, du gehst zur deiner Trauung, schaut wia a Hochzeitsaunzug aus. In letzter Zeit, is ma aufgfoin, richst dih gaunz aunders zaum. De Mei hat ah scho gsagt, schauna aun, isa vor kurzn nuh daherkemma mit an Gwaund wia vor zwoanzg Joah, richta sih hiatz her, ois kam er grad vo seina Gsöllnprüfung“. Fast schlecht is ma wordn, wia mih der so gschert aunredt. Vor oim, weil ih net recht gwisst hab, was ih drauf sagn soid. Mir is daun doh was eingfoin.

„Na“, hab ih gsagt, „da öder Bua feiert in Vierzger und da richt ma uns olle a weng jünga zaum, weil ja des koa Pensionistnfeier is. Des is ah so ausgmacht“. „Und was habts letzte Wocha gfeiert“, hat er gfragt, weil dort bist ah so ähnlih daherkemma. Da hätt ma dih fast net kennt“. „Du“, hab ih ma denkt, „des lasst da hiatz nimma gfoin“ und hab mei Herz in d Haund gnumma. „Waunnsd nuh weider so bled daherredst, daunn wird ma dih boid nimma kenna“, hab ih eahm droht. Drauf hat er lachat gmoant, „muasst aba schaun, dassd dein Peppi net verlierst, weil vo an Pensionistn fiacht ih mih net“.