Texte

21. September 2011     Österreichisch-russische Dichterfreundschaft

Der Stelzhamerbund widmet sich auch außergewöhnlichen Themen. Jüngstes Beispiel ist die spannende Auseinandersetzung mit slawischer Dichtung unserer Zeit. Schon zum zweiten Mal sind Gedichte des Linzer Autors und Bibliothekars Walter Osterkorn in der Moskauer Literaturzeitschrift “Planetenecho” (Эхо планеты) erschienen, diesmal in besonders interessanter Form: Der auch in Deutsch perfekte russische Autor Viktor Klykov (Bild) hat Osterkorns Lyrik nicht nur ins Russische übertragen, sondern beide Sprachen „gemixt“. Da viele gebildete Russen auch deutsch verstehen, ist dieses Experiment bestimmt sehr gut angekommen – wie bei uns Viktor Klykovs ungewöhnliches hochdeutsches Gedicht, das wiederum Walter Osterkorn in unsere Mundart übertragen hat:

BASILIKA MARIA TROST

Ba-si-LIK-aaa – BASILIKA!
Ma-ri-a trost – MARIA TROST!
Ma-Riii-ja – ih suach tro…tros…TROST
ba…roc-ko – Blick vom Pompösn.
Sää…sään-säänmess – Säänmess!
Säänmess? – Bach?
Ba…ba…bach! – ACH!
D’ Sää in mir woant.
Es gibt koan Trost.
A-V-E Ma-ri-a
Ma-ria MARIA
tröööö-st mih,
Ma-ria MARIA,
du TROST in mir.
In ihrer voin Würde
umgibts mih,
de BASILIKA,
dei’ BASILIKA,
Schutz deiner Schönheit.
Ih bin winzig,
gaunz winzig,
gaunz tiaf untn,
g-SICHTs-los.
A Stiagn zu dir,
de in HÜM-M-M-E…fiaht.
Stu…stuf…stufm
St…stia…stiagn.
Mei’ Gsicht wasch ih mit
Got…GOTT seine Tautropfm.
Ih säm bin gaunz untn,
steh da und fleh na an,
BEEET
bet’ eahm an.
Mei HERZ DONNERT
bis auffi zu eahm,
zum Herrgott…
ih faung aun zum geh, steig…
s Kreu…KREUZ wärmt mei Brust.
Mit jedm Schriatt,
mit jeda Stufm
wird mei HERZ wärmer.
Ih wisch meine Tränen ab,
Hüm…HÜMME
in de Wolkn,
Leere um mih uma.
WUNDN vo meiner Seel
STRANG-ULIE-RN mih.
wird da Hümme heller.
‘s Herz und mein Geist
trag ih zum Herrgott!
Des große Tor
vo da BASILIKA is zua,
es is nuh z bald.
Seitlich kumm ih endlich
in de riesige Kirchn.
Ih bin ehrfurchtsvoi und alloa.
durch de riesige Halle
zum AL-TA-R.

D’ Wäd schlaft,
NUR d MARIA IS MUNTER!

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29. Oktober 2010     Russische Lyrik in oö. Mundart

Nicht im Aufbau und nicht im Wesen unterscheidet sich russische reimlose Lyrik von unserer.  Dabei war es für russische Dichterinnen und Dichter lange Zeit sehr schwierig und sogar riskant, sich damit zu befassen. Denn zur Sowjetzeit (1917–1991) wurde auch die Kunst staatlich kontrolliert, da waren freie, reimlose Verse nur sehr begrenzt zugelassen. Wenige Gedichte in freier Form wurden veröffentlicht, noch weniger übersetzt. Nicht nur politische Funktionäre, sogar systemkonforme Künstler wussten moderne Denkrichtungen zu verhindern.
Erst Mitte der neunziger Jahre konnte ein anderer Typ von Dichtern auftauchen. Einer von ihnen ist Viktor V. Klykov. Er war jahrelang im diplomatischen Dienst bei der UNIDO in Wien und 1998/99 auch in Algier beschäftigt.  Dort entstand sein Gedicht „Frau – Mirage“, das Klaus Huber übersetzt und Walter Osterkorn in unsere Mundart übertragen hat..

Damit gratuliert der Stelzhamerbund dem Autor herzlichst zum 70. Geburtstag.
Alles Gute, Viktor!
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a Frau – a Erscheinung
Sie is wia a Windhauch
und wia a Wään.
D’ Sahara bewegt sih so leicht.
Sie is a Luftikus,
sie traut sih was.
D’ Sahara bewegt sih so leicht.
Sie is kloa,
doh brennhoaß.
D’ Sahara bewegt sih so leicht.
Sie kummt auf mih zua, ja!
Sie tanzt durch mih durch.
D’ Sahara riaht sih Tag und Nacht…
Und sie?  Ah sie is dahi, wia a Wään.

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Anm.: Klykov verwendet im Titel die Begriffe „Frau” und „Mirage“. Das französische Wort mirage ist als Lehnwort ins Russische übernommen worden und bedeutet (u.a.) Trugbild, Fata Morgana. (KH)
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Originaltext von Viktor V. Klykov in: Inspiration, Ausgewählte Gedichte 1976 – 2002, Verlag Letnij Sad (Sommergarten), Moskau – Sankt Petersburg 2003. ov.klykov@akado.ru

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Kustos auf Dichterspuren

Von Freimut Rosenauer

Ein wunderschöner Herbsttag und ein Gustav-Mahler-Konzert im Festspielhaus luden uns ein, wieder einmal  Salzburg zu besuchen. Selbstverständlich nützt man als Kustos des Stelzhamermuseums die  freie Zeit, um Spuren des Volksdichters Franz Stelzhamer, der ja viele Jahre in Salzburg verbrachte, aufzusuchen und nachzuwandern.
Am Höhenweg vom Kloster Nonnberg hinüber nach Mülln, am Fuße der Festung entlang, kommt man an beeindruckenden Stadtaussichten vorbei (Stadtalm, Modernes Museum), von wo der Blick weit ins bayrische und österreichische Voralpenland fällt.
Kurz vor Mülln entdeckt man das Denkmal des Salzburger Volksdichters Sylvester Wagner, der mit Stelzhamer in engem Kontakt stand und ihm auch die spätere Unterkunft in Henndorf vermittelte.
Übrigens werden die Verse “…a frische Mass Bier mit an Foam an weißen, und heut gehma net hoam, bis uns aussi schmeißen”  im Volksgesang “A lustige Eicht” aus “Königin Not”  zwar meistens Stelzhamer zugeschrieben, sie stammen aber höchstwahrscheinlich von Wagner.
In der “Schlappgesellschaft”, einer Traditionskartenrunde im Augustiner Bräustübl, hatte jedes Mitglied ein Wappenbild an der Längsseite des Stüberls. Stelzhamers Wappenbild zeigt eine Lyra als Attribut der Dichter und Sänger, gekrönt mit acht goldenen Sternen.  Die erste Silbe des Namens symbolisiert ein Stock mit Querholz (Stelze), die zweite Silbe ein Hammer, obwohl er sich immer gegen diese Verdoppelung aussprach:

Stelzhamer schreib ich mit einem ‘m’,
das war den Leuten stets unbequem.
Und wie wenig sie gaben für’s Leben her,
im Namen bekam ich immer mehr.

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