Gedichte

Mit seinem berührenden Gedicht über einen Mühlviertler Altbauern, in dem er die Mühen eines Arbeitslebens unter schwierigsten Verhältnissen als Porträt eines Menschen “verdichtet”, vertrat Joschi Anzinger den Stelzhamerbund in Klaus Hubers TV-Doku über die oberösterreichischen Freilichtmuseen. Sie wurde am Sonntag, 17. April, 16.35 – 17.00 Uhr im Fernsehprogramm ORF 2 ausgestrahlt.

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mühlviaddla oidbaua

woun a lochdd
griagdd sei xichdd
foina und fuachn
und gleichdd an umgoggaddn fäd

ea hod de drozzign augn
va an kind
des ned oid wean wü

sei gnagg und sei hois
hand a uschlinddige viechwoad

sei nosn is a findling
des hian
is aus granidd

seini hendd vazön gschichddn
van kliabm und van schlichddn
und van raggan und vazichddn

 

Und noch eine  von Joschi Anzingers Miniaturen über das bäuerliche Leben:

hof-schdeam

d kia houms vakafdd
waö des sachal is z uschlinddi

da hof
wiad zan ohdrogn

d sunbeng wogsdd ei
en de brennessln

und d mosddbianbam
drong umasunsdd

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16. LEOPOLD-WANDL-PREIS
 
 
Gedichte der Preisträger, vorgetragen am 25. September 2010 im Stadttheater Grein (Schreibweise und Zeichensetzung der AutorInnen originalgetreu beibehalten).
Auswählende Jury: Franz Gumpenberger, Karl Hackl, Karlheinz Sandner
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1. Preis:
Silvia Rhom, St. Johann am Wimberg

D’LEBENSFREID

Bloßfuaßi iwa d’Wies geh,
en da Fruah
ban Greidlsuacha
firn Tee.

Gschpirn,
wia de dungön Schuitan
weit wern und da Puis
zan ziadan aufaungt.

S’Lem eisaung
wiara Regnbogn,
der doschded mit
ausbroate Orm.

Olle Tog wieda,
d’Lebnsfreid
owahem vo da
Gortnmaua.

Und bloßfuaßi mid ia
iwa d’Wies geh,
ban Greidlsuacha
firn Tee.

 

2. Preis:
Carmen Wurm, Nebelberg

ANSICHT

a schens haus is des
d’fassad’ owaputzt
so sauber is da
rasen g’stutzt

a schens haus is des
d’scheita g’schlicht
so ordentlich is da
garten g’richt

a schens haus is des
jeds bleamal bliaht
so frisch dass ma grad
s’fruahjahr g’spiat

hinter de dickn gardinen
vatrickan d’bleamöstöck
drin

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3. Preis:
Elfriede Guttenbrunner, St. Oswald bei Freistadt

NED SO VÜI GRÜBLN!

Ned so vüi grübln,
ned so vüi sorgn.
Ned so vüi fiachtn,
was kemma kinnt, morgn.

Ned so vüi jammern,
ned so vüi klagn.
Ned so vüi schimpfm,
und ned glei verzagn.

Vüi mehr a Schneid zoagn,
geht’s krump oder ebm.
Vüi mehr a Freid habm
mit’n Dasein und Lebm!

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4. Preis:
Christine Kaltenböck, Sierning

AUSZEIT

Du magst dih selbm net,
han ih glaubt,
du magst mih nimma,
han ih glaubt,
du gehst alle aufm Geist,
han ih gsehgn.

Und dann erst han ih gsehgn –

Du hast dih verlorn,
tiaf in der Finstern,
siachst koa Liacht mehr,
suachst koa Liacht mehr,
hast s Lacha eingsperrt,
ganz weit drin vasteckt,

bist auf alle bes,
de a Gfühl zoagn kinnan,
daweil bittsd einwendi um Hülf,
woanst ohne Tränen,
bist verzweiflt und miad,
netta miad!

Nimm dar a Auszeit,
a Zeit fürs Suacha,
a Zeit fürs Findn
va deiner Seel!

Bitte, suachs und grabs aus,
für dih und für mih!

 

5. Preis:
LEOPOLD SCHÖLLHUBER, Wilhering

FRAU VA HEUT

D’Großmutter, damals Brautstrauß gfangt
und in an Joahr gheirat.

D’Mutter, damals Brautstrauß gfangt
und in an Joahr gheirat.

Sie, vorigs Joahr Brautstrauß gfangt,
in d’Biotonne ghaut und ledig bliebn.

Selbstbestimmt und umweltbewußt.

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6. Preis:
Herbert Köppl, Freistadt

A LEBM OHNE LIAB

A Lebm ohne Liab 
is wia a Bam ohne Äst
A Lebm ohne Liab 
bleibt a ewig laars Nest

A Lebm ohne Liab 
is wia a trockena Brunn
A Lebm ohne Liab 
gleicht da Welt ohne Sunn

A Lebm ohne Liab 
is wia a Herd ohne Gschirr
A Lebm ohne Liab
“Stehts dafür?”

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7. Preis:
Anton Halser, Deggendorf (Bayern)

A WUNDER

Wunder
Wunder, sagt er
Wunder gibt heut nimma, sagt er
scho lang nimmer
auf dera Wejt

höchstens
höchstens, sagt er
höchstens vialleicht dessej, sagt er
dass a se ojwej no draht
unsa wejt

und dass
und dass, sagt er
und dass s nach a jedn W
inta, sagt er
ojmoj wieda no
Frühling wird
auf unsana Wejt

des, sagt er
is ma heut no a Wunder

 

8. Preis:
Gertrud Lahnsteiner, Ebensee

MUASS DES SEIN?

Terror gibt’s und Katastrophn,
gnuag Frågn bleibn ållweil wieder offn,
mir geht des oanfåch nimmer ein,
da fråg i mih dånn: Muass des sein?

Streit und Elend san scho gnua,
Not kimmt oft nit z’weng dazua,
vü Leit kinnan sih nit gfrein,
då denk ih öfter: Muass des sein?

Krånkheitn und Übö kemman,
de oft Freid an Menschn nehman,
mit Seufzn fügt man sih dånn drein,
recht oft sinnier ih: Muass des sein?

Doh aus der Fråg werd ih nit schlau,
einwendig drin woaß ih genau,
nix im Lebn muass sein wia’s is,
lebn åber toan ma, des is gwiss.

Jeder soll, so denk ihn nåchher,
aus dem, wås is, des Beste måcha.
Wås möglich is, des änder ebn
und mit ållm åndern muasst hålt lebn!

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9. Preis:
Hermann Hinterhölzl, Rohrbach

KRAFT

Kraft zan Lebn dahebn,
wann ‘s nöt so geht,
wia ma ‘s gern hätt’,
- wann in da Zeit
koa Sinn, koa Freid und statt ‘n Glück
vü Traua is.

Muat füa d’ Plag’ oll’ Tag,
dö gwiss ah kimmt,
wann sunst oll’s stimmt,
dö ohnö fragn
da is und ‘tragn werdn muass a Zeit
- oft ganz alloan.

Liacht, das stü a Züh
füa morgn afmacht
nah oana Nacht
voll Bittakeit,
wann ‘s Gmüad afschreit und wann koa Trost
koa Zuaspruh hülft.

Ruah trotz Pei(n) und Schrei(n),
und an kloan’ S
chriatt,
dea schwa gmua wiad,
- und Weidageh(n);
‘s Lebn bleibt nöt steh(n), ob Glück, o Load,
oll’s hat sei(n) Zeit.

Kraft zan Lebn dahebn
oll’ Tag, oll’ Zeit,
und Glück und Freid,
vagält’sgott sagn,
um koan Sinn fragn, waö koana is,
wann ma koan gibt.

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10. Preis:
Joschi Anzinger, Linz

MADDINI

da mou reidd af an woiggnschümö
iwan schwoazzn novembahümö
d lufdd is zach und schwaa und feichdd
und des ewige schdeangwöb leichdd
af a schdüggö meina wäd
und da windhund winsld – bäd

i geh hoamzua auf da gossn
gfrei mi schou afs heaz ausrosddn
und ban raubfoung raugdds schou aua
waö de ködn liegdd auf da laua
i siag liachdd duachs fensdda scheina
des ma deidd – hiaz kim schou eina

wiafli siagi s gachdl schdeabm
rosn teich oiss liegdd en scheabm
d howagoas is lenxdd davou
drendd en keaschbam schreid a krou
rauhreif woxdd af fäd und wies
nedda s woaddn is ma gwies

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Die Erfolgsgeschichte des Leopold-Wandl-Preises
Seit Bestehen des Wettbewerbes wurden 3.328 Gedichte eingereicht.
Alle Sieger und die Titel ihrer Gedichte:

1989 Hans Ratzesberger Linz S’ Mittlmass
1990 Christine Tippelreiter Scheibbs A guade Nochd
1991 Anna Six Braunau I suach meine Grenzn
1992 Helmi Öhreneder-Fischer Wels Kindergebete
1993 Gregor Riegler Mauthausen Koa haltn mehr
1994 Hans Dieter Mairinger St. Georgen / Gusen Steam
1995 Hedwig Grininger Rohrbach Weit mehr sagn
1996 Romana Weixlbaumer Linz Koa Zeit
1997 Elfriede Grömer St. Pantaleon Erdbebm
1998 Gabi Bauer Pasching Wer möcht des nuh erbm
2000 Günther Lainer Linz searvas sepperl
2002 Hermann Hinterhölzl Rohrbach Auferstehung
2004 Edeltraud Wiesmayr Vöcklabruck schuidfrag
2006 Gregor Riegler Mauthausen Oillerseeln
2008 Christine Kaltenböck Sierning Entwurzelt
2010 Silvia Rhom St. Johann / Wimberg D’Lebensfreid

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Ferien und Urlaubsfahrten sind längst vorbei, geblieben sind Erinnerungen.
Die 14-jährige Jacqueline Wuster, Absolventin der Stelzhamerbund-Partnerschule
HS 24 Linz (Auhofschule), drückt das schöne Gefühl der Vorfreude aufs Heimkommen,
das wohl jeder Auslandsreisende kennt, prägnant und gefühlvoll so aus:

Waun i amoi fort bin,
gaunz weit von daham,
daun tram i vom Essn,
i tram vo de Bam
und bin ma ganz sicha
I wü wida ham.

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“mundART 2010″
Ausgewählte Gedichte, vorgetragen beim internationalen Dichtertreffen
des Stelzhamerbundes in Linz, 11.-13. Juni 2010
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dichtr nennd sälta a blatt vors muul. si bruuchan s zum schriiba.
Anni Mathes, Bludesch (Vorarlberg)

 

Johanna Plessnitzer, Bad Aussee

Mei Lebm lang han i
Hoffnungen begrabm.
I gfrei mi direkt
auf d’ Auferstehung.

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Hildegard Mair, Prambachkirchen:

SOSANS
Gschichtn über Mauna
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wann s’ bei an Chor san   –  singan s’
wann s’ müad san –  lingan s’
wann ’s sie’s blaaht –  stingan s’
wann s’ an Grant ham     –  spinnan s’
wann s’ zum Streitn is     –  gwinnan s’
wann s’ podent san –  kinnan s’
wann s’ ned dicht san   –  rinnan s’
wann s’ a Wut ham –  springan s’
wann s’ an Durscht ham –  tringan s’
und wann s’ koan ham    –  tringan s’ ah

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Hannes Decker, Linz:

LIANG

ih liag fosd nia 
ih kau des ned 
ih merk ma zweng!

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Cilly Kaletsch, München:

FAMILIENLEBM

 Da Vatta hod a Handy,
Is oiwei erreichbar, aber ned do.
dMuatta sitzt vorm Fernseher,
is do, aber ned erreichbar. .
Da Bua spuit mi’m Gameboy,
Hod grod drei Gegner daschossn.

 

Anni Mathes, Bludesch (Vorarlberg)

renn tiar
hot s rentiar zum andra rentiar
bim rentiar-renna gseet

rentiart hot sis net

 

Hans Ratzesberger, Linz (aus “Bruckn zwischn Gestern und Morgn”):

GSUNDSCHRUMPFN

“Alls paletti”,
hat er gsagt,
“in mein Betrieb
rennt alls wia am Schnürl:
der Computer denkt für uns,
d’ Tschechn arbatn für uns,
de teuern Leut spar ma uns,
de unnedign Sozialzuckerl
schengan mar uns,
und en Betriebsrat,
den kaff mar uns.

Aber -
‘s Wochnendhäusl af Mallorca -
des leist mar uns!”

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Elfriede Guttenbrunner, St. Oswald bei Freistadt:

D’ MUTTERSPRACH’

Es is zan ärgern – wirkli woahr
ma is oft ganz frustriert
weil unsa Muttersprach’
a so verschandelt wird.

Fahrst mit’n Radl heutzutag
am Berg – durch Wald und Flur
des nennt ma nimma Radlfoahrn
na “Biken” sagns dazua.

A s’Renna wird hiazt anders gnennt
zu dem sagt ma halt “Joggen”
und mit zwoa Steckan wandern gehen
des hoaßt grad “Nordic Walken”.

Und rennan häufti Sommergäst
im Landl umadum
da red ma dann im Fachjargon
von an Touristenboom.

Ja “Kids” und “cool” und “megageil”
des Gredat macht oan schwach
haum d’Leit denn heut koa “Feeling” mehr
für unsa Muttersprach’?

Dichterrätsel (1)
Die richtige Lösung in unserem wochenlangem “Dichter-Ratespiel” lautet: Walter Osterkorn! Nur einer - Engelbert Lasinger - hat erkannt, wem wir das hier veröffentlichte Gedicht “Zaumhoidn” verdanken, ein Kleinod, in dem sich zeitlos gültige Gedanken und “neue” Schreibweise vereinen. Walter Osterkorn beweist mit diesem Gedicht, dass auch für die Vertreter der ”neuen mundart” Reim und Rhythmus wichtige Grundelemente dichterischen Ausdrucks bleiben.
 
 
 
 
 

 

Zaumhoidn

Waun s Zaumhoidn scho Probleme mocht,
da fähts daun hümeweit,
du siahgst koa Liacht mea, is nua Nocht,
des is a finstre Zeit.

Waun nix mea hüft, koa Zwing, koa Leim,
oiss foit scho ausanaund,
daun denkst da öfters, insgeheim,
geh, reich ma doh dei Haund.

Waun i des oamoi mocha mecht,
do sperrt si wos in mia,
i bin mein eignen Gligg a Knecht,
drum hängt hiatz oiss aun dia. 

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Elisabeth Holl (zum 1. April):

A kurze Freid

Heit auf d’Nacht därfst kemma,
hats gsagt zu eahm,
obwoih s eahm eh net mögn hat. 
hat.
Da hat ar sih gfreit;
und hat gar net dran denkt,
dass heit da erschte Aprü is.
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